Die erste Spur / 21.1.2026

Nach einer ruhigen Nacht (kein Wunder, ich bin ja der einzige Gast) und einem ausgiebigen Frühstück verlasse ich die warme Hütte. Es ist klirrend kalt und ich beginne mit einer halbstündigen Schattenwanderung zur Liezenerhütte, wo ich endlich in den Genuss der ersten Sonnenstrahlen komme. Jetzt kann ich mich auch von einem Paar der Handschuhe trennen, die doppelte Schicht hat leider wenig genutzt.

Als Entschädigung für die bisherige Kältetherapie gehe ich windgschützt durch das wunderbare Goldbachtal bis ich feststelle, dass ich einen Rechtsbogen machen sollte. Mein anvisierter Gipfel liegt nämlich östlich ziemlich "abseits vom Schuss".

Den Wörschacher Schafberg kann man nicht als Modeberg bezeichnen, schon gar nicht im Winter. Und genau dort will ich hin. Aber was ist so besonders auf diesem Gipfel? Eigentlich nichts, abgesehen vom langen Zustieg, der Abgeschiedenheit und dem Fehlen einer Abfahrt. Dass diese Attribute kaum jemand ansprechen, wird mir beim Aufstieg bald klar. Weit und breit ist keine Spur zu sehen. Vermutlich bin ich heuer der Erste, der hier eine Spur legt und im Winter am Gipfel steht.

Mit etwas Glück gelingt mir ein Selbstauslöserfoto mit Hilfe eines Ministativs (befestigt am Schistock), der Beweis meiner Anwesenheit, denn das Gipfelbuch grabe ich nicht aus.

Für die Mittagsrast suche ich mir aber einen besseren, vor allem windgeschützten Platz. Der befindet sich bei der 100 Meter tiefer liegenden Steinfeldalm, ein unbeschreiblich schöner Ort. Hier ist es windstill und fast ruhig, würde nicht ein Flieger (Eurofighter?) gelegentlich die Ruhe stören. Diese "Störung" relativiert sich aber beim Gedanken, dass viele Menschen froh wären, wenn sie nur einmal am Tag ein übendes Kampfflugzeug hören würden.

Beim Rückweg folge ich meist meiner Spur vom Vormittag, nur beim Goldbach halte ich mich genau an die Wintermarkierung. Zum Abschluss mache ich noch eine kleine Runde am weiten Kirchfeld, das mir um diese Zeit alleine gehört. Die Gegend werde ich mir am nächsten Tag noch etwas genauer ansehen.

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